Erstmals seit Jahren Kultur im "Schuppen"

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Bildunterschrift: Die Jugendlichen des Vereins "Einer für Alle" nahmen im einstigen Haus der Jugend den weihnachtlichen Geschenkewahnsinn auf die Schippe. (Foto: Christian Suhrbier)

Hinter dem achten Türchen wurden im früheren "Haus der Jugend" viele Erinnerungen wach.

Ingo Kramer

Es ist kalt, aber windstill. Von den Wänden blättert die Farbe. In der Ecke stehen Pfützen. Keine Frage: Der Tanzsaal im alten "Haus der Jugend", in den das Lichtel die Besucher am Sonnabend führte, hat schon bessere Zeiten gesehen. Allerdings auch schon schlechtere. Als der "Einer für alle e.V." das Haus an der Zittauer Straße 2005 erwarb, sah es wüst aus. Inzwischen ist das Chaos beseitigt.

Kinder tanzen auf der Bühne

Am Sonnabend gab es zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder Kultur in dem alten Saal. Die wurde von Vereinsmitgliedern, deren Familien und Freunden auf die Beine gestellt und von Joachim Klein, dem zweiten Vorsitzenden des Vereins, moderiert. Nach der musikalischen Begrüßung der Gäste durch die Bläsergruppe der Innenstadtgemeinde regte eine für diesen Abend zusammengestellte Theatergruppe auf erfrischend lockere Art zum Nachdenken über Sinn und Unsinn von Weihnachtsgeschenken an. Anschließend tanzte eine Kinderschar auf der großen Bühne und schließlich sang der ganze Saal, unterstützt von drei kleinen Flötenspielerinnen auf der Bühne, das Lied "Leise rieselt der Schnee". Dann aber konnten es hunderte Besucher kaum erwarten, das Haus, das zweieinhalb Hektar große Außengelände sowie das Hinterhaus, den früheren FDJ-Jugendclub, zu erkunden. "Hier haben wir damals Polterabend gefeiert", sagt eine ältere Görlitzerin, die ihren Namen nicht verraten will. Wie viele andere lässt sie sich die Chance, den einstigen "Schuppen" endlich wieder einmal von innen zu betrachten, nicht entgehen. Markus Stäbler freut sich über die Resonanz. Der gebürtige Schwabe lebt seit 1994 in Görlitz und ist Geschäftsführer des "Einer für alle"-Vereins. Gemeinsam mit den anderen beiden Festangestellten und zwei Dutzend Ehrenamtlichen hat er sich viel vorgenommen. Zuerst soll das Hinterhaus, dann das Hauptgebäude saniert werden. "Geplant ist eine Jugendbegegnungsstätte", sagt Markus Stäbler. Im einstigen FDJ-Jugendclub sind unten Räume für die offene Jugendarbeit geplant. Oben zieht eine christliche Gemeinde ein. Beides ist dem Verein sehr wichtig: "Der christliche Glaube steht für uns im Mittelpunkt und ist die Motivation, ein solches Riesenprojekt überhaupt zu starten", sagt der Geschäftsführer. Auch das Hauptgebäude soll in diesem Sinne genutzt werden. Der Saal bleibt erhalten und bietet Platz für Volleyball, aber auch für Jugendgottesdienste und christliche Jugendabende.

Hinterhaus ab Juni 2008 fertig

In den oberen Geschossen hingegen entsteht Wohnraum für 12 bis 15 Menschen, darunter auch für Jugendliche ohne abgeschlossene Schulbildung. Wann alles fertig wird, vermag Markus Stäbler freilich nicht zu sagen. Ziel sei es, im Jahr 2008 zumindest die Bauplanung für das Vorderhaus abzuschließen. Das Hinterhaus dagegen soll schon ab Juni nutzbar sein. Dort konnten die Besucher am Sonnabend anhand von Schautafeln einen Einblick in die Vereinsarbeit erlangen. Außerdem gab es Punsch, Gebäck, eine Bastelecke, ein Lagerfeuer zum Knüppelkuchen backen und für all jene, die es etwas besinnlicher mochten, rundete Vereinsmitarbeiterin Ev Wittig das bunte Programm im Baubüro mit einer Lesung ab.

Sächsische Zeitung, 10. Dezember 2007, S. 17