Görlitzer Verein freut sich über eine unerwartete Spende

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Modekette C & A gibt für soziale Zwecke deutschlandweit über eine Million Euro aus. 2 000 Euro davon bekam „Einer für alle“.

Von Ralph Schermann

„Das ist ja wie Kindergeburtstag!“ Der dreijährige Hannes ist begeistert. Gemeinsam mit anderen Kindern erobert er das Süßigkeiten-Buffet. Es steht mitten in der Görlitzer Filiale von Clemens und August Breninkmeijer, besser bekannt unter dem Kürzel C & A. jedes Jahr spenden die rund 500 Einrichtungen dieser Kette mehr als eine Million Euro an soziale und karitative Einrichtungen. 2 000 Euro davon bekommen in Görlitz Hannes und seine Freunde.

Sie gehören zum Verein „Einer für alle“, einem anerkannten Träger der freien Jugendhilfe, und wurden auf Bitte von C & A von der Stadtverwaltung vorgeschlagen. „Wir sind genauso überrascht wie dankbar“, sagt Vereinskassiererin Ulrike Mörbe, die mit einigen Vereinsmitgliedern und deren Kindern zur Scheckübergabe in der Filiale am Postplatz gekommen ist. Und als der Süßigkeiten-Bedarf der zwölf Kleinen im Alter von neun Monaten bis 9 Jahren gestillt ist, kann es tatsächlich losgehen. Filialleiterin Jacqueline Matthäs beschreibt, wie sich die heute in sechster Generation geführte niederländische Modekette seit ihrer Gründung als Familienunternehmen mit großem sozialen Engagement versteht. „Wir wollen, dass unsere Spenden immer direkt bei den Menschen in der Nachbarschaft ankommen“, sagt die Görlitzer C & A- Leiterin.

Beim „Einer für alle“ dürfte die Spende genau so nachbarschaftlich angelegt sein, auch wenn Ulrike Mörbe spontan noch keine konkrete Verwendung benennen kann. „Das Geld wird in unsere Projekte einfließen“, informierte sie, und davon gibt es bei dem Verein mit Sitz im ehemaligen Schützenhaus auf der Zittauer Straße viele. „Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, jungen Menschen eine Perspektive zu bieten“, sagt die Kassenwartin und betont das Credo des Vereins: „Die Grundlage unsere Arbeit ist der christliche Glaube. Wir denken, dass jeder Mensch von Gott geliebt und deshalb wertvoll ist. Dies wollen wir durch unsere Arbeit zum Ausdruck bringen“. Zu dieser Arbeit gehören die offene Kinder- und Jugendarbeit, flexible Hilfen zur Kindererziehung von der Krabbelgruppe bis zur erlebnispädagogischen Jugendaktion, gehört aber auch die Straffgefälligenhilfe in Polen. Der Vereinsname steht unter anderem dafür, dass die Mitglieder offen sein möchten für Menschen jeden Alters. „Und es ist uns auch egal, ob unser Gegenüber verhaltensauffällig, suchtgefährdet, straffällig. Perspektivlos ist oder einfach der nette Junge von nebenan“, heißt es im Vereinsbild.

Seit 2005 verfolgt das Beschäftigungsprojekt „Haus der Jugend“ das Ziel, das Gebäude für Jugendliche wieder zu beleben. Wohngemeinschaften und Beschäftigungsangebote stellen sich Ulrike Mörbe & Co. dort vor. Von einer Werkstatt im Hinterhaus aus wird versucht, diesem Ziel täglich ein Stück näherzukommen. Noch ist viel zu tun: Entrümplung, Fensterbau, Kabelverlegung, Möbelanfertigung, aber auch Arbeit im Freigelände. Das Pensum ist gewaltig, erkennt die Filialleiterin und ist deshalb davon überzeigt, dass die 2000 Euro bei „Einer für alle“ gut angelegt sind.

Stolz tragen Jonathan, Benny und die „Großen“ der Kinderrunde den meterlangen symbolische Scheck zum Vereinsgelände. Der kleine Hannes aber dreht sich noch einmal um. Er ergattert den letzten Schoko-Riegel vom dann leergefegten Buffet uns lässt mit seiner Begründung dafür alle Umstehenden lachen: „ Ich bin heute wieder ein ganz süßer Junge!“

Sächsische Zeitung, 2. Dezember 2013