Jesus – einer für alle

Bild

Ich unterhalte mich mit einer jungen Frau über einige Jugendliche, mit denen wir zu tun haben. Sie ist schockiert: Kein Schulabschluss? Nicht richtig lesen und schreiben können? Von Sozialhilfe leben und damit zufrieden sein? Handys klauen und weiterverkaufen? Nach einer Weile fragt sie: „Meinst du, dass die irgendwann ihr Leben in den Griff kriegen?“ Und ich antworte darauf, wie ich es immer tue: „Da hilft nur noch eine Bekehrung! Nur durch den Glauben an Jesus, nur mit Gottes Hilfe ist da noch Veränderung möglich!“

Während wir uns unterhalten, ist mir plötzlich so bewusst: Ohne Jesus sind wir alle verloren. Bei manchen Leuten ist diese Verlorenheit ganz greifbar und die ganze Leere und Sinnlosigkeit ihres Lebens liegt offen da. Andere haben augenscheinlich ihr Leben gut unter Kontrolle: toller Beruf, zwei Autos vor der Haustür, glückliche Familie. Aber auch für sie gilt Römer 3,12: „Alle sind abgewichen, sie sind allesamt untauglich geworden; da ist keiner, der Gutes tut, da ist auch nicht einer.“ Alle brauchen Jesus! Unser Verein, von dem wir hier erzählen wollen, heißt „einer für alle“. Warum? Zum einen möchten wir auf Jesus Christus hinweisen, der für die Sünden aller gestorben ist und jedem Menschen die Möglichkeit zur Errettung von Sünde und Schuld anbietet. Zum anderen steht der Name dafür, dass jeder, egal, was in seinem Leben vorher passiert ist, die Angebote unseres Vereins wahrnehmen kann. Wir möchten einladen zu einem Leben mit Perspektive – zu einem Leben mit Jesus!

Gegründet wurde unser Verein im Oktober 2000. Im Mai 2000 hatte die Christliche Gemeinde Görlitz einen Mobilen Treffpunkt in der Görlitzer Innenstadt durchgeführt. Dort lernten wir einige Jugendliche kennen, die aus zum Teil sehr schwierigen familiären Verhältnissen kommen und orientierungslos in den Tag hinein leben. Wir merkten: Mission allein genügt hier nicht; um Lebenshilfe anbieten zu können, gehören Mission und Diakonie (praktische Nächstenliebe) untrennbar zusammen. Durch eine sinnvolle Freizeitgestaltung möchten wir die Jugendlichen unter anderem davor bewahren, ins kriminelle Milieu abzugleiten. Deshalb gehören Sportveranstaltungen, Bibelkurse, Freizeiten, Jugendtreff mit kurzem biblischem Gedankenanstoß, Verschenkbüchertische und Ausflüge zu unserem Programm. Einzelne besuchen wir zu Hause, um sie bei ganz alltäglichen Dingen zu unterstützen und sie immer wieder darauf hinzuweisen, dass es einen gibt, der sie lieb hat – Jesus. Außerdem finden wir es notwendig, dass den Jugendlichen und jungen Erwachsenen die Möglichkeit gegeben wird, in einer Familie mit zu leben und dabei Christ sein ganz praktisch zu erleben. Deshalb haben in den vergangenen Jahren einige Mitglieder des Vereins mit wechselnden TeilnehmerInnen in einer Familienwohngemeinschaft in einer Mietwohnung in der Innenstadt gewohnt. Inzwischen leben wir in einem größeren angemieteten Haus, das Platz für offene Jugendangebote bietet. In dem Mietshaus trifft sich auch die Christliche Gemeinde Görlitz. Außer neun Vereinsmitgliedern mit ihren Kindern haben wir aber derzeit keine Mitlebenden.

Manchmal sind wir frustriert, wenn wir uns lange Zeit um jemanden kümmern und keine „Erfolge“ sehen oder wenn jemand in die falsche Richtung rennt, obwohl er doch genau weiß, was richtig wäre. Sehr oft denken wir an die Geschichte vom verlorenen Sohn, der vor dem Vater davon läuft und dann bei den Schweinen landet. Und wir wünschen es uns so sehr, dass Peter, Thomas, Kathrin, Patrick… an den Punkt kommen, wo sie zur Besinnung kommen und sich aufmachen und zu ihrem himmlischen Vater gehen. Viele Jugendliche wachsen heute ohne Vater auf, aber sie haben ein Wunschbild „Vater“ im Kopf. Wie viel bietet der Glaube hier an! Gott wird uns als dieser liebende Vater vorgestellt, der seinem Kind entgegeneilt und sich danach sehnt, Gemeinschaft mit uns zu haben. Für uns ist es oft schwer, dem Vorbild des Vaters in dem Bericht von dem verlorenen Sohn nachzueifern. Und doch ist dieses Vorbild so wirkungsvoll: Kindern und Jugendlichen gerade dann zu zeigen, dass man sie lieb hat, wenn sie es sich nicht verdient haben.

Immer wieder kommen wir bei unseren bisherigen Aktivitäten an räumliche Grenzen. Unser großer Traum ist deshalb ein ca. 23.000 qm großes Grundstück, auf dem sich vier kleinere und größere Gebäude befinden. Das Gelände ist zentral gelegen und hat Straßenbahn- und Bushaltestelle in unmittelbarer Nähe. Die Größe und Lage eignen sich unserer Meinung nach ideal dazu, unsere Anliegen zu verwirklichen:

  • Offene Jugendarbeit
  • Familienwohngemeinschaft
  • Beschäftigungsmaßnahmen.

Die ganzen letzten Jahre haben wir erlebt, wie Gott uns versorgt. Einer unserer Grundsätze ist, dass wir Leute nicht um Geld bitten und auch unsere vierteljährigen Rundbriefe ohne Angabe unserer Bankverbindung verschicken. Und dennoch ist es möglich, eine hauptamtliche Mitarbeiterin zu beschäftigen, die ausschließlich über Spenden finanziert wird. Darüber sind wir sehr dankbar. Besonders haben wir uns gefreut, dass wir vom Württembergischen Brüderbund als Spendenprojekt ausgewählt wurden. Beim diesjährigen Pfingstjugendtreffen „dynamis“ in Esslingen drehten 70 Läufer beim traditionellen Sponsorenlauf ihre Runden, um Geld für unseren Verein zu sammeln. Deshalb vertrauen wir weiter darauf, dass Gott uns zur rechten Zeit alles geben wird, was wir brauchen. Hudson Taylor hat einmal gesagt: Gott ist bereit uns alles zu geben, was wir nötig haben – wenn wir es nötig haben.

Bild Bild

Jugendzeitschrift "komm", Ausgabe 06/2004, S.22/23