Junge Leute bauen Haus der Jugend mit auf

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Während die Sanierung des Haupthauses noch auf sich warten lässt, wird der einstige Jugendclub ausgebaut und genutzt.

Ingo Kramer

"Baustelle Leben" steht in großen Lettern über der Eingangstür des einstigen FDJ-Jugendclubs hinter dem früheren Haus der Jugend. Ohne FDJ-Sekretär, wohl aber unter Anleitung von handwerklich und pädagogisch qualifizierten Mitarbeitern, arbeiten derzeit Jugendliche Tag für Tag am Hinterhaus. Viele von ihnen sind ohne Schulabschluss. "Im Hinterhaus entstehen Räume für unsere Kinder- und Jugendarbeit", sagt Markus Stäbler.

Aufträge auch an Firmen

Er ist Geschäftsführer des christlichen Vereins "Einer für alle", dem seit 2005 das Haus der Jugend samt dem 23 000 Quadratmeter großen Gelände an der Zittauer Straße gehört. "Der Mehrzweckraum im Erdgeschoss ist noch nicht ganz fertig, aber wir nutzen ihn schon für Gottesdienste, Kindergeburtstage und eine Krabbelgruppe", sagt der 37-Jährige, der der christlichen Gemeinde Görlitz angehört.

Der Raum hat voriges Jahr neue Holzfenster nach historischem Vorbild erhalten. Derzeit wird die Decke verkleidet. Die Küche nebenan hingegen wurde vor zwei Wochen neu gefliest. Sie ist fast fertig eingerichtet und wird schon genutzt. Im Kellergeschoss wurde vorige Woche eine neue Decke eingezogen, eine Fußbodenheizung folgt im Frühling. Neben Freiwilligen und maximal acht bis zehn Jugendlichen sind Görlitzer Fachfirmen in die Arbeit einbezogen.

Wer hingegen nur an der Fassade des ehemaligen Haus der Jugend vorbeifährt, bekommt den Eindruck, dass sich nichts tut. Zwar leuchtet die Tür in einem knalligen Rot, doch von der Fassade bröckelt nach wie vor die Farbe ab. Daran wird sich so schnell nichts ändern. "Wir haben das Vorderhaus 2008 neu vermessen und Bestandspläne erstellt", sagt Stäbler. Dieses Jahr soll die Bauplanung abgeschlossen werden. Das war ursprünglich für 2008 vorgesehen. "Da waren wir etwas zu optimistisch."

Haupthaus hängt am Geld

Anfang 2010 soll der Bauantrag eingereicht werden. Geplant sind eine Jugendbegegnungsstätte und Wohnraum für 12 bis 15 Leute, darunter Jugendliche ohne abgeschlossene Schulbildung. Wann der Bau am Haupthaus startet, ist aber völlig offen. Markus Stäbler hat keinen Zweifel, dass das Haus der Jugend eines fernen Tages vollständig saniert sein wird. "Das ist aber eine Frage des Geldes", sagt er.

Momentan finanziert sich der gut 30 Mitglieder und 20 ehrenamtliche Unterstützer zählende Verein über Stiftungen, viele private Spender und eine Förderung vom Arbeitsamt für die Tätigkeit der Jugendlichen. Diese arbeiten auch am Außengelände und an einem Nebengebäude des Ex-FDJ-Jugendclubs. Dort wird eine Hausmeister- und eine Holzwerkstatt eingerichtet und eine Ausbildungsstelle für Holzmechaniker geschaffen. Ein bis zwei Jugendliche werden künftig auf der "Baustelle Leben" eine Lehre absolvieren können.

Der christliche Verein "Einer für alle"

Angebote im ehemaligen Haus der Jugend (Auswahl): Montag bis Freitag: ab 8 Uhr Beschäftigungsprojekt; Mittwoch: ab 15.30 Uhr Kindertreff (6 bis 12 Jahre); Freitag: ab 19 Uhr offener Jugendtreff; Sonnabend: von 10 bis 13 Uhr Kindertreff

Nutzer der Angebote am Haus der Jugend: Pro Woche nutzen etwa 150 unterschiedliche Menschen die Angebote am Gelände.

Weitere Angebote: Betreibung des Schülertreffs in der Förderschule Windmühlenweg, Hilfen zur Erziehung (in Familien), einmal im Monat am Sonnabend: 18 bis 20 Uhr Fuß- und Volleyball für Jugendliche ab 13 Jahren (Erich-Weinert-Straße 38)

Kontakt: Einer für alle e.V., Zittauer Straße 78, 02826 Görlitz, Tel. 03581/413841, Fax: 03581/421633, Ansprechpartner: Markus Stäbler, www.efa-goerlitz.de, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Sächsische Zeitung, 19. Februar 2009