Jungen befreien Stadt von 120 kg Müll

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Bildunterschrift: Calvin Böhler, Samuel Püschner und Jonathan Püschner (v.l.n.r.) gewannen gestern den Müllsuch-Wettstreit anlässlich des 4. Jungenaktionstages. Insgesamt sammelten die Kinder und Jugendlichen über 120 Kilogramm Müll in der Görlitzer Innenstadt sowie entlang des Neiße-Ufers. (Foto: Steffen Schreiber)

Der vierte Jungenaktionstag soll auf deren besondere Bedürfnisse aufmerksam machen. Dazu gehört wohl auch Sauberkeit. Von Steffen Schreiber

Jungs zum Saubermachen zu bewegen, ist eher schwierig. Doch wenn das Aufräumen mit einem Wettstreit und einer Schlauchbootfahrt auf der Neiße in Verbindung steht, sieht die Sache schon ganz anders aus. So zeigte sich auch der Zwölfjährige Samuel Püschner vom vierten Aktionstag des Arbeitskreises Jungenarbeit Görlitz begeistert. „Das Paddeln auf der Neiße hat mich sehr gereizt und natürlich wollen wir heute auch Erster werden“, sagt der Görlitzer Pfadfinder.

Neben dem Saubermach-Team am Neiße-Ufer begaben sich am Mittwochnachmittag noch weitere Gruppen von Jungen im Alter von acht bis 15 Jahren in der Görlitzer Innenstadt auf Müllsuche. Zusammen mit Sozialarbeitern versuchten sie in eineinhalb Stunden, so viel Müll wie möglich zu sammeln. Manchmal mit interessanten Ergebnissen, wie Samuel berichtet. „Wir haben einen Autoreifen, ein altes Fahrrad und ein Modellboot aus der Neiße gefischt.“ Beim abschließenden Wiegen im Stadtpark kamen bei den etwa 15 Teilnehmern immerhin 121 Kilogramm Müll zusammen. Dieser wurde später von der Stadtreinigung entsorgt.

Den Hintergrund des in Zusammenarbeit mit der Görlitzer Gleichstellungsbeauftragten, Romy Wiesner, ins Leben gerufenen Aktionstages erklärt Heiner Seibt. „Wir wollen die Öffentlichkeit auf die besonderen Bedürfnisse von Jungen aufmerksam machen“, so der Schulsozialarbeiter. Denn bisher lege man zwar starkes Augenmerk auf die Gleichstellung von Mädchen. „Die Jungen bleiben dabei oft außen vor und werden eher als überdrehte Störenfriede gesehen, die viel kaputt und Müll machen. Mit unserer Saubermachaktion wollen wir hier das Gegenteil beweisen.“ Langfristig hofft Seibt auf ein neues Bewusstsein beim Thema Jungenarbeit. „In den pädagogischen Schaltstellen sitzen häufig Frauen. Die haben oft nicht das Verständnis für die spezifischen Verhaltensweisen von Jungs“, so Seibt.

Diesem Missstand will sich der Aktionskreis Jungenarbeit annehmen. Er besteht aus Männern, die im Landkreis in verschiedenen Einrichtungen Kinder- und Jugendarbeit leisten. „Wir sind offen für alle, die sich bereits in der Jungenarbeit engagieren oder daran interessiert sind, Jungen nach ihren Bedürfnissen und Möglichkeiten zu fördern und fordern“, erklärt Seibt. Der Arbeitskreis trifft sich etwa sechsmal im Jahr in Görlitz. Zusätzlich gibt es eine jährliche Fachtagung. In diesem Jahr findet sie am 13. November in Görlitz statt.

Für Samuel und seinen Bruder Jonathan war der Tag spannend genug. „Das war ein echtes Jungsding“, sagt Samuel. Obwohl er selbst zu Hause nicht immer der beste Aufräumer ist. „Aber als wir das Fahrrad herausgeholt haben, das war schon cool.“ Dank dem gelang auch der Sieg. Mit über 52 kg Müll gewann das Neißeteam den kleinen Wettbewerb. Für Samuel Ansporn auch im kommenden Jahr dabei zu sein. „Dann muss es aber nicht unbedingt wieder Saubermachen sein.“

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Sächsische Zeitung, S. 9, 12. Juli 2013