Südafrika für ein paar Stunden in Görlitz

Südafrikanisches Flair mitten unter uns. Nicht nur wegen der Fußball-Weltmeisterschaft, aber gerade deshalb noch passender als sonst. Für ein paar Stunden waren am Dienstag fünf junge Südafrikaner am Görlitzer Förderschulzentrum zu Gast. Ihr Ziel: Werben für mehr Toleranz.

GÖRLITZ. Es ist laut an diesem Morgen in der Turnhalle am Windmühlenweg. Aus den Lautsprechern tönt rhythmische Musik. Auf den Bänken und Matten haben in der Mitte Mädchen und Jungen des Förderschulzentrums Platz genommen. Erwartungsvoll. Das spürt man in ihren Worten, an den Blicken. Jeder von ihnen ist beim Hereinkommen mit Handschlag begrüßt worden, mit einem Lächeln, einem Lachen, ein paar – wenn auch für die meisten nicht verständlichen – englischen Worten. Auch die Mitglieder der Gruppe „iThemba“ freuen sich auf ihren Auftritt. iThemba heißt Hoffnung. Und die wollen sie ihren Zuhörern vermitteln. Hoffnung auf ein glückliches Leben. Musik, Tanz, kurze Theateraufführungen bringen ein Stück afrikanische Leichtigkeit in die Sporthalle. Und sie bringen eine Botschaft mit: Jeder Einzelne ist etwas Besonderes. Voller Elan und Überzeugungskraft rufen sie den Förderschülern zu: Seid echt, seid ihr selbst, egal woher ihr kommt! Beifallströme, Johlen und Pfeifen aus dem Publikum – fast wie bei der WM in Südafrika. Nur die Vuvuzelas fehlen. Aber mit denen hätte man wahrscheinlich kein Wort mehr von der jungen Künstlercrew verstanden. Bereitwillig kommen die Zuschauer mit nach vorn, singen, wiegen sich in den Hüften im Takt der Musik. „Der Auftritt von ‚iThemba’ ist eine echte Bereicherung unseres Schulalltags“, finden die Lehrer der Einrichtung, die diesen Tag für das Präventionsprojekt gegen Rassismus, Alkohol und Drogen gern zur Verfügung gestellt haben. Initiatorin ist Schülertreffchefin Beate Hacker, die durch ihren Kontakt zu ihren Kodersdorfer Kollegen, bei denen die Südafrikaner bereits im vergangenen Jahr zu Gast waren, Verbindung zu der Gruppe aufnehmen konnte. „Unsere Schüler sollen erkennen, dass Drogen keine Probleme lösen und Fremdenfeindlichkeit nicht das Mittel ist, mit dem man Freunde gewinnen kann. Sie sollen erfahren, wie echte Lebensfreude aussieht. Die bringen die Südafrikaner wunderbar rüber.“ Das finden auch die Schüler selbst. Mit Begeisterung sind sie in den Workshops bei der Sache. Und zeigen zum Schluss, was dabei herausgekommen ist- bei ihrer Begegnung mit der afrikanischen Kultur.
Frank-Uwe Michel

Niederschlesischer Kurier, Nr. 26/18 JG, 26. Juni 2010