Von Pfadfindern und Comic-Geschichten

Bei Kodersdorf glänzen die weißen Zelte von nunmehr 31 Jugend-Pfadfindern in der Sonne. Die Natur wird hier kreativ erkundet, und Abenteuer gibt es reichlich.

Colette Roitsch

So ein Sommercamp ist was Feines. „Gestern sind wir sechs Stunden durch die Wildnis gewandert, haben unter freiem Sternenhimmel gecampt und in der Nacht den Miraculix befreit“, sagt der 13-jährige Paul Krause aus Görlitz. Miraculix ist der Druide und Kräuterkenner aus dem Comic Asterix und Obelix – und die Wildnis voller Kräuter liegt bei Kodersdorf.

Im Pfadfinderlager ist auch Stefan Burgert. „Wir haben die Nachtwache überfallen – und sind dafür ins Gefängnis gekommen“, erzählt er mit stolz geschwellter Brust. Das Sommerlager ist ein einziges Abenteuer, das der Verein „Einer für alle“ im Hirschwinkel ausrichtet. Das Camp findet mehrmals statt und bietet Jugendlichen so ziemlich alles, außer Strom und fließendem Wasser. Jedes Jahr wird auch ein bestimmtes Motto gewählt, um das sich die Spiele drehen und zu dem sich die Kinder verkleiden können. Nach den Musketieren, Rittern oder dem Wilden Westen stehen in diesem Jahr Asterix und Obelix im Mittelpunkt. "Vor ein paar Jahren sind wir bei einer Wanderung hier vorbeigekommen und fanden, dass es ein idealer Platz für ein Camp wäre", erzählt Ester Jung, die zu dem Jugendleiter-Team gehört.

In diesem Jahr haben sie 31 Jugendliche im Alter von zwölf bis 16 Jahren zu betreuen. "Da muss man sich ganz schön was einfallen lassen, um die Rasselbande 24 Stunden am Tag zu beschäftigen", sagt Jung. Doch Langeweile ist hier im Camp ein Fremdwort. Wenn nicht gerade Essen oder Schlafen ansteht, werden Feldspiele, wie zum Beispiel "Fahne rauben" oder Volleyball gespielt, Wanderungen unternommen, viel gequatscht oder im nahegelegenen Fluss gebadet.

"Ich bin nun schon das dritte Mal dabei und es gefällt mir jedes Jahr wieder", erzählt Juliane Kluttig (12) aus Sagar. "Es ist einfach mal was anderes und so viel Spaß hätte ich zu Hause nicht." Doch neben all dem Spaß müssen auch einige Regeln im Camp eingehalten werden. Hier wird niemand bevorzugt und die gegenseitige Rücksichtnahme und der Zusammenhalt stehen im Vordergrund. In der Nacht muss ein Zelt immer die Nachtwächter stellen - um das Camp vor feindlichen Übergriffen zu schützen. "Das ist manchmal gar nicht so einfach, denn die anderen Zelte denken sich Streiche aus und erschrecken uns mit Knallern oder so", berichtet Stefan Burgert.

Die Eltern sind ja weit weg

"Ich finde es toll hier", schwärmt Paul Seilder (15) aus Großschönau. "Durch die gemeinsamen Spiele lernt man die anderen Jugendlichen so richtig kennen, und es wird nie langweilig." Nur eines sei klar: öde wird dieses Sommercamp wohl niemals.

"Die Woche werden die Kinder sicher so schnell nicht wieder vergessen", ist sich auch Ester Jung sicher. Am Sonnabend werden zum Abschluss die Eltern eingeladen und ein kleines Programm präsentiert. "Los geht es um elf Uhr, wir haben uns was Nettes ausgedacht", sagt die Jugendleiterin. Die Camper grinsen dazu. Alle Abenteuer werden sie den Eltern nicht erzählen.

Sächsische Zeitung, 62. Jg., Juli 2007, Nieskyer Lokalseite